Meine persönliche und berufliche Entwicklung wurde geprägt von Carl Rogers, dem Begründer der Klientenzentrierten Gesprächspsychotherapie und Keith Johnstone, dem Vater des Improvisationstheaters. Beide werden sich wohl kaum gekannt haben. Sie hätten sich aber gut verstanden. Denn das zentrales Merkmal beider Konzepte ist die Idee, Menschen zu aktivieren, ihre Spontaneität im Alltag konstruktiv zu nutzen.

Carl Rogers hat um 1940 das Modell der klientenzentrierten Therapie entwickelt. Seine Motivation war an der Frage orientiert, welche Lebensbedingungen Menschen brauchen, um sich entsprechend ihrer Möglichkeiten entwickeln und entfalten zu können. Beschrieben hat er diese Wachstumsbedingen durch die drei Variablen Empathie, Akzeptanz und Authentizität. Diese Variablen spielen auch in der Alltagskommunikation eine bedeutsame Rolle, sind Voraussetzung für erfolgreiche und befriedigende Interaktion im privaten und beruflichen Alltag.

Authentizität meint die Fähigkeit, offen zu sein für die eigenen Wahrnehmungen und Impulse und sie auch situationsgerecht in den Kontakt einzubringen. Das bedeutet, sich nicht von seinem „inneren Film“ leiten zu lassen (gemeint sind hier Erfahrungen, Überzeugungen und Konstrukte: „Das kenne ich doch“, „So sind die doch immer“, „Nur so und nicht anders kann man dies Problem lösen“) sondern aus dem Moment heraus offen und situationsgerecht zu agieren.

Diese Haltung beschreibt Johnstone mit der Aussage „Vertraue deinen Ideen“. Lass das Vorausplanen, verwende deinen ersten Einfall! Meist neigen wir dazu, unsere spontanen Ideen schnell zu bewerten und damit zu kontrollieren („Ist das wirklich gut?“) Wir spielen auf Sicherheit, vergeuden aber den Reichtum, der in den spontanen Ideen liegt. Im Improvisationstheater wird trainiert, das Risiko zu suchen: „Ich verbringe mein Leben damit, das Leben gefährlich machen, während die meisten Menschen um Sicherheit kämpfen“ (Keith Johnstone).

Die zweite Variable, die Rogers beschrieben hat, ist die Akzeptanz. Akzeptanz versteht er als eine bejahenden Grundhaltung zum Gegenüber. Die akzeptierenden Wertschätzung -oder wie Johnstone sagen würde, das „Ja-Sagen“ zu den Impulsen des Gegenübers- ist ein universales Prinzip erfolgreicher Arbeit in Gruppen und Teams. Viele Teams verschwenden ihre Energie damit, ihre Ideen gegenseitig abzuwerten anstatt in einer „Yes…and-Haltung“ konstruktiv zusammenzuarbeiten: Ja, gute Idee und wir könnten noch…“.

Die dritte Roger-Variable ist die Empathie. Sie beschreibt die Fähigkeit, sich im Perspektivwechsel sensibel in den Partner hineinzudenken. Oder wie es die Indianer ausdrücken: Du kannst deinen Bruder erst dann verstehen, wenn du einen Mond lang in seinen Mokassins gelaufen bist.“ Mit den Methoden des Improvisationstheaters trainieren Sie effektiv und nachhaltig, flexibel verschiedene Perspektiven einzunehmen und aus dem Bezugsrahmen der jeweiligen Rolle zu agieren.

Denn in dem Seminar „Lust auf Improvisation“ sind Sie herausgefordert, aus dem Stegreif mit ihren Mitspielern Szenen und Geschichten „auf die Bühne zu bringen“. Damit bedeutet Improvisation, Herausforderungen mit den im „Hier und Jetzt“ vorhandenden Mitteln zu lösen. Ihr Handwerkszeug ist, wach zu sein für Ihre eigenen Wahrnehmungen und Impulse, ihrem Gegenüber akzeptierend zu begegnen und in der „Yes…and-Haltung“ zu kooperieren. Simple but not easy.